10 Jahre

Zehn Jahre Global Campus 21

Zehn Jahre GC21 – ein Grund zurückzuschauen und die Menschen zu Wort kommen zu lassen, die diese Lern- und Kommunikationsplattform maßgeblich mitgestaltet und aufgebaut haben. Ab sofort läuft dazu eine achtteilige Artikelserie.

10 Jahre GC21 – Rückblick und Ausblick

Mit dem heutigen Beitrag von Jan Grabowski und Günter Podlacha, die während der zehn Jahre Steuerungsverantwortung für den Global Campus 21 trugen, endet unsere Serie zum zehnjährigen Bestehen des Global Campus 21.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren für die Mitwirkung. Gleichzeitig präsentieren wir Ihnen heute eine ausführliche Version der Artikelserie, mit einem Geleitwort des Geschäftsführers und einer Zeittafel zur Geschichte des GC21, als Broschüre zum Herunterladen!

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Broschuere_10_Jahre_GC21_small.pdf

 

Bilanz und Ausblick. Teil 1: Was liegt hinter uns?

Von Jan Grabowski und Günter Podlacha

Unser Team, das E-Learning-Center, hatte die spannende Aufgabe, den Global Campus 21 in den zehn Jahren seit seiner Gründung zusammen mit vielen Partnern und den Nutzerinnen und Nutzern zu gestalten. Es waren anstrengende, aber befriedigende Jahre!

Von der Vision zur Erprobung

1999 war das Jahr der Visionen und Konzepte. Ein Projektteam aus den Organisationen CDG und DSE besprach Pläne für ein “Virtuelles Nachkontaktforum”. Schon in dieser Phase ent-standen sehr ehrgeizige Konzepte für E-Learning und E-Collaboration und haben damit die Entwicklung der späteren Lernplattform gedanklich vorweggenommen.

2000 bis 2001 war die Zeit des Ausprobierens. Die Kursentwicklungen waren noch sehr teuer, es standen kaum kompetente Kräfte für E-Learning-Entwicklung und das Tutoring zur Verfügung. Wir begannen mit einigen Partnern Minimalstandards und Trainingsmaterialien und einen Anwendersupport aufzubauen.

Eine Marke entsteht

2002 bis 2005 beschleunigte sich die Anwendung des GC21. In vielen Weiterbildungspro-grammen wurde begonnen, die Plattform zu nutzen. Die Onlinekurse über HIV und AIDS für Fachkräfte des Gesundheitssektors und andere Zielgruppen wurden zum Erfolgsmodell. Hier prägte sich das spezifische Profil des E-Learning bei InWEnt aus. Es ist charakterisiert durch partizipative und kollaborative Methoden sowie einen praxis- und kompetenzorientierten Inhalt. Es ist nutzerorientiert und flexibel gestaltet und basiert auf einer einfach zu nutzenden, kostengünstigen Technologie.

Später wurde dies mit der Nominierung der HIV-Kursserie als Finalkandidat für den Europäischen E-Learning-Preis (eureleA) gewürdigt.

Zahlreiche Stipendienprogramme, wie das FH-Programm des BMBF, stellten ihre Kommuni-kation mit den Teilnehmern auf GC21-Foren um. Im Ch@t der Welten, einem Programm zur entwicklungspolitischen Bildung, kommunizierten deutsche Schülergruppen über den GC21 mit umweltpolitischen Akteuren in Entwicklungsländern.

Das war eine Zeit großer Belastungsproben für die Plattform und unser kleines Team. Sehr früh wurde klar, dass wir das System und seine Administration erheblich weiterentwickeln müssen, um dem Ansturm standzuhalten. Neue Sprachversionen mussten implementiert und die Gestaltungsmöglichkeiten der Lernumgebungen erweitert werden. Ein Kurs-Authoringtool, die “Content Solution”, wurde installiert und damit ein Standard für Onlinekurse auf dem GC21 geschaffen.

Eine ganze “Industrie” aus kleinen Firmen und freien Mitarbeitern mit Spezialisierung für Contententwicklung, Tutoring, Design und Programmierung entstand um den GC21 herum und wurde von uns mit Informationen und Schulungen versorgt.

Ein weltweit agierendes Kompetenzzentrum

Das E-Learning-Center selbst entwickelte sich von einer “Servicestelle” zu einem Kompe-tenzzentrum für Methoden des E-Learning. Auf jährlichen Fachtagungen brachten wir E-Learning-Experten aus Capacity-Building-Organisationen zum Erfahrungsaustausch zu-sammen.

Ab 2002 entwickelten wir ein sektor- und regionenübergreifendens Trainingsprogramm zu E-Learning-Methoden. Daraus entwickelte sich ein ganzes Curriculum von Kursen zur Gestal-tung von E-Learning-Programmen und zum Aufbau und Betrieb von E-Learning-Kapazitäten, das inzwischen in mehreren Weltregionen erfolgreich angewendet und von Partnern adaptiert wird.

Über die Qualifizierung in Kursen hinaus wollten wir die Partner bei der Umsetzung in ihren Institutionen und beim Aufbau eigener Kapazitäten begleiten und ihnen den Erfahrungsaus-tausch in Online-Netzwerken ermöglichen. Gemeinsam traten wir auf E-Learning-Konferenzen auf. Heute umfasst das Netzwerk E-Learning-Zentren und Expertengruppen in 40 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa. Am Gelingen des Programms haben viele Kollegen des E-Learning-Centers Anteil, doch das größte Verdienst gebührt unserem unvergessenen Freund Til Schönherr.

Überprüfung und weiterer Ausbau

Im Jahr 2006 beschloss InWEnt, die Akzeptanz, das Entwicklungsniveau und die Potenzen seiner Lernplattform durch Gutachter analysieren zu lassen. Die Potenzialanalyse “GC21 – fit für 2010″ erbrachte eine Fülle von Anregungen und Anforderungen, denen wir uns zu stellen hatten, um das Niveau unserer Services im Einklang mit den Nutzererwartungen und dem technologischen und methodischen Fortschritt zu halten.

Der Alltag ließ uns jedoch kaum eine Atempause. Nach einem umfassenden Versionswechsel der Software setzte sich das Wachstum der Nutzung des Global Campus 21 ungebrochen fort. Jährlich wurden gut 9000 neue Nutzer registriert. Fast alle laufenden InWEnt-Programme sind nun auf dem Global Campus 21 vertreten. Komplexe Kursprojekte werden gemeinsam mit deutschen und ausländischen Universitäten realisiert.

Der GC21 bewährt sich auch bei Aufträgen Dritter wie zum Beispiel der EU, der UN-Organisationen, ausländischer Entwicklungsagenturen und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Wir implementierten neue Standards für das Authoring von Arbeitsumgebungen und Kursen. Der Benutzersupport wurde professionalisiert. 2009 kamen Wikis, Blogs und Bildergalerien und das Live-Collaboration-System Saba Centra hinzu.

Eine weitere Konsequenz aus der Analyse war der Aufbau eines modularen Systems von Onlinekursen für vielfältige Verwendung in Capacity-Building-Programmen, für die Alumni-Fortbildung und für zahlende Kunden.

Den Grundstock dieses Systems bildete unsere “Ma-nagement Skills Suite” mit bewährten Kursen zu Querschnittskompetenzen für Manager. Durch weiteren Ausbau, Vereinheitlichung und Modernisierung entstand schließlich die GC21 E-Academy, die im April 2010 feierlich eröffnet wurde. Die E-Academy bietet kontinuierlich Selbstlern- und tutoriell begleitete Kurse zu verschiedenen Themen der nachhaltigen Ent-wicklung an.

Bilanz und Ausblick. Teil 2: Wie wird es weitergehen?

Von Jan Grabowski und Günter Podlacha

Wo stehen wir am Vorabend der Gründung der GIZ?

Der Global Campus 21 hat die Geschichte unserer Organisation mitgeprägt. Er wurde nicht nur zu einem Markenzeichen der InWEnt, sondern auch zu einem wichtigen Instrument bei der Modernisierung unserer Geschäftsfelder. Er unterstützte wirksam unser partnerschaftliches Capacity-Building-Konzept, unsere kompetenzorientierten didaktischen Prinzipien, länder- und regionenübergreifende Programme, den Aufbau von Netzwerken und die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Experten in den Kooperationsländern.

Heute bringt InWEnt den Global Campus 21 und die GC21 E-Academy als erprobte Instru-mentarien in die neue deutsche EZ-Agentur, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), ein.

Vielfältige Herausforderungen

Das bedeutet natürlich wachsende Ansprüche. Wir sind stolz auf das in zehn Jahren Erreichte, doch wir wissen auch, dass der Erfolg nicht an der Vergangenheit, sondern an den Mög-lichkeiten von Gegenwart und Zukunft gemessen wird.

1. Das neue Unternehmen, ebenso wie sein Leistungsportfolio, ist viel komplexer als InWEnt. Durch ein überzeugendes Angebot müssen wir die erforderliche Unterstützung im Maßstab des neuen Unternehmens gewinnen.

2. Unsere Partner in den Entwicklungs- und Transformationsländern können die Werkzeuge des GC21 immer problemloser nutzen, weil immer mehr von ihnen mit den Möglichkeiten des Internet vertraut sind. Aber deshalb steigen auch ihre Ansprüche. Im Ensemble der Mög-lichkeiten, die unseren Anwendern heute zur Verfügung stehen, müssen wir unser Profil nun präziser festlegen, systematisch entwickeln und dann überzeugend vertreten.

3. Die Gründung der GC21 E-Academy ist ein Schritt zu einer solchen Profilbildung. Aber auch hier sind wir nicht konkurrenzlos. Wir müssen uns in der GIZ die Frage stellen, welches E-Learning-Portfolio am besten den künftigen Bedarfen unserer Programme entspricht und am meisten als unverzichtbarer deutscher Beitrag zu weltweiter Kapazitätsentwicklung wahrge-nommen wird.

4. Global Campus 21 ist schon jetzt ein Markenbegriff der deutschen EZ und sollte als solcher erhalten bleiben. Aber was sich dahinter verbirgt, muss sich verändern. Wir stellen unsere Technologien der Kursentwicklung und ab 2011 auch die der Kursanwendung, also die Lern- und Kommunikationsplattform, auf den Prüfstand.

Den Wandel gestalten

Die Entwicklung des Global Campus 21 hat gezeigt, welche großen Potenzen durch neue Lern- und Kooperationstechnologien für das Capacity Building erschlossen werden konnten. Was wir jedoch in diesen zehn Jahren ebenfalls erfahren haben, ist, dass nicht die Techno-logien die wahren treibenden Kräfte dahinter sind. Es sind vielmehr die Menschen selbst, die sie einsetzen und damit ihre Methoden und didaktischen Ansätze für das Lehren und Lernen erweitern.

Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, Technik auf dem neuesten Stand bereitzu-stellen, sondern vor allem entsprechende Handlungskompetenzen zu entwickeln. Das be-deutet die Fähigkeit, mit diesen Mitteln notwendige Information und Wissen zu erlangen, trotz fehlender Grenzen in virtuellen Welten interkulturell sensibel und kooperativ zu sein und dabei das eigene Lernen kontinuierlich anzupassen und zu erweitern.

Über die Autoren

Dr. Jan Grabowski hat als IT-Leiter der DSE das Vorbereitungsteam des Global Campus 21 beraten. In seiner Abteilung wurde 2001 das E-Learning-Center gebildet. 2003 übernahm er in der neuen Organisation InWEnt die Leitung der Abteilung für E-Learning und Internationale Wissensgemeinschaften. Seit 2005 ist er Team- und Projektleiter des E-Learning-Centers.

Dr. Günter Podlacha kam 2001 zur DSE und übernahm die Leitung des E-Learning-Centers. 2005 wurde er zum Abteilungsleiter für E-Learning, Internationale Wissensgemein-schaften und Dokumentation berufen.

Beide Autoren sind seit 2001 verantwortlich für Betrieb und Entwicklung des GC21, für Stra-tegie-, Methoden- und Kapazitätsentwicklung zum E-Learning bei InWEnt, für die Kundenbe-ratung und Unterstützung weltweiter Kooperationspartner.

„Auf dem GC21 rücken wir zusammen“

Von Iván López

Zum ersten Mal kam ich in Kontakt mit GC21 im Jahr 2001 im kolumbianischen Bogotá, und zwar im Rahmen einer Fortbildung über die Anwendung von Werkzeugen für das Kreieren virtueller Foren. Die Teilnehmer waren Kollegen aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ekuador, Peru und Venezuela. Damals haben wir einen Server namens „Gandhi“ für die Implementierung der ersten Foren verwendet. Es kennzeichnet ein neues Zeitalter, denn bis dahin hatten die Alumni nur per E-Mail mit einander kommuniziert. Die Einführung von virtuellen Pinnwänden und Foren hatte den Austausch zwischen Nutzern wesentlich erleichtert.

Die Erstellung von Austauschforen, die Gestaltung und Formatierung von Grafiken einschließlich Inhaltsproduktion, all das lag damals noch allein in meinen Händen. Das bescherte mir etliche schlaflose Nächte und einen hohen Kaffeekonsum.

Doch vor allem beobachtete ich damals mit großer Zufriedenheit, wie sich die Teilnehmer in die Plattform einloggten und ihre ersten Nachrichten auf der Pinnwand lasen. Wir konnten die Aufregung der Alumni förmlich spüren, während sie ihre eigenen Beiträge im Chat verfolgten. Und wir merkten, wie dankbar sie für diese neue Erfahrung waren.

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des GC21 war die Entstehung des „Campo Latino“ im Jahr 2000, die erste von Inwent geförderte Themenplattform für Lateinamerikaner. Sie richtet sich an Fachleute, Experten und Berater, die in der Entwicklungshilfe tätig sind. Ziel von Campo Latino ist es, die Einrichtung von Lerngemeinschaften in Lateinamerika zu ermöglichen, Selbsthilfe zu fördern und Entwicklungshelfer in der Region mit Hilfe von virtuellen Kommunikationswerkzeugen auszubilden.

Austausch über Grenzen hinweg

Die GC21-Plattform ist auch für die Mitgliedsländer des 2004 gegründeten Alumni-Netzwerks RE@L ein wichtiges Werkzeug. Sie ermöglicht einen intensiven Austausch und die schnelle Verbreitung relevanter Informationen zu verschiedenen Themen. Jedes RE@L-Mitgliedsland hat dabei sein eigenes virtuelles Forum, in dem die Alumni ihre Beiträge hinterlassen, Dokumente hochladen und miteinander kommunizieren können.

Über Ausbildungs- und Dialogangebote für technisches Personal und Führungskräfte trugen die von Inwent unterstützten Blended Learning-Kurse dazu bei, die Kommunikation über das Thema Einzugsgebietsmanagement voranzutreiben.

Die Kurse sollten diejenigen Organisationen stärken, die in diesem Bereich tätig sind. Zudem wollte man auf virtuelle Weise eine Kontinuität in ihre Arbeit bringen, um die Entwicklung von Programmen zur Vorbeugung von Katastrophen, Sicherung von Nahrungsressourcen, zum Konfliktmanagement und zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu fördern. All das soll im Rahmen eines integrierten Einzugsgebietsmanagements erfolgen.

Im Rahmen der Projekte, die Inwent in der Region verfolgt, veranstaltet das Regionalbüro Andenländer mit Sitz in Lima, seit 2006 Blended-Learning- und Online-Kurse. Sie richten sich an Alumni aus verschiedenen Berufen und Fachgebieten. Demnächst soll das Angebot erweitert werden, unter anderem mit Kursen zu den Themen “Cambio Climático” (Klimawandel) und “Gestión de Cambio” (Change Management, die dann auf dem Portal der E-Academy zur Verfügung stehen sollen.

Unsere Arbeit und Mühe haben sich gelohnt, denn die Plattform überwindet große räumliche Entfernungen und bringt Menschen aus verschiedenen Teilen von Kontinenten enger zusammen. Insbesondere weil einige Kurse sogar ganz besonders auf die Bewohner und Bedürfnisse ländlicher Gebiete zugeschnitten sind, damit so Teilnehmer in entlegenen Regionen der Erde erreicht werden. Meiner Erfahrung nach trägt das Angebot auf dem GC21 nicht nur zur Ausbildung, Capacity Building und zur Verbreitung von Wissen bei, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Integration der Alumni um die Netzwerke und ”Communities of Practice” herum.

All das erzeugt ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Teilnehmern und damit einen zusätzlichen und wertvollen Mehrwert in ihrer Berufsausbildung.

Über den Autor

Iván López wurde in Lima geboren. Er hat dort ein Journalismus-Studium absolviert und sich in Deutschland über die DSE und Inwent weitergebildet. 2001 lernte er den Global Campus 21 kennen. Zwischen 2004 und 2010 war er Alumni-Koordinator für Lateinamerika im Regionalbüro Andenländer von Inwent, wo er auch eine zentrale Rolle bei mehreren kollaborativen Projekten spielte, zum Beispiel für den Campo Latino. Iván López ist zudem einer der Gründer der RE@L Netzwerke. Zur Zeit ist er ITC-Koordinator für das Regionalbüro von Inwent in Lima.

Eine Familie für Nachhaltigkeit und Networking

Von Kong Sidaroth

Ende 2002 wurde ich Teil der Inwent Capacity Building-Familie. Im Rahmen eines Lehrstipendiums wurde mir damals angeboten, an einem Fortgeschrittenentraining in Deutschland zu „Business related-IT consultancy“ teilzunehmen. Dieser Kurs wurde gemeinsam von Inwent und der Nichtregierungsorganisation „Open Forum of Cambodgia“ veranstaltet. Über dieses Stipendium habe ich das für mein E-Business-Projekt nötige Fachwissen zum Thema „Wie man E-Learning in Kambodscha durchführen kann“ erhalten.

Seither habe ich meine E-Learning-Kenntnisse und Techniken stets erweitert, indem ich an Online-Kursen von Inwent teilgenommen habe, die über den GC21 angeboten wurden. Sie vermittelten mir Fachwissen zu verschiedenen Themen, darunter E-Learning-Technologien, Content Development, Online Tutoring und Projektmanagement. So konnte ich meine berufliche Kompetenz auf vielfältige Weise erweitern und meinen Traum, dass E-Learning möglich und erreichbar ist, stets am Leben erhalten.

Im September 2006 rief ich dann gemeinsam mit drei weiteren Gründungsmitgliedern das „Open Institute“ als NGO ins Leben. Der Hauptgedanke dahinter ist: Wie kann man in Kambodscha E-Learning-Qualifikationen entwickeln und auf dem neuesten Stand halten, um immer mehr Projekte ins Leben zu rufen, die dann jeweils vor Ort gesteuert werden? Ich entwickelte ein Konzept für ein Open Learning Programm des von mir mitbegründeten Open Instituts. Da ich bereits an verschiedenen E-Learning-Kursen von Inwent teilgenommen habe, bat ich das Unternehmen um seine Kooperation. Unterstützt wurde mein Projekt zudem vom ICT-Büro des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport in Kambodscha.

Wissenslücken schließen

Währen der Entwicklungsphase entschieden wir uns, für unsere E-Learning-Methode ausschließlich qualitativ hochwertige Free und Open Source Software (FOSS) zu verwenden. Und zwar so lange, wie es uns in Kambodscha nicht möglich war, auf eine eigene Software zurückzugreifen, mit der wir das System, die Kosten und den Wissenstransfer eigenständig steuern konnten. Nach intensivem Suchen beschlossen wir, unser E-Learning-Programm mit Hilfe von Moodle Course Management System und ExeLearning Authoring Tool auf die örtlichen Verhältnisse anzupassen und die Kambodschanische Sprache mit einzubeziehen. Daher haben wir in einem nächsten Schritt die Inwent-Module zur Entwicklung und Anwendung von E-Learning ins Kambodschanische übertragen.

Bis heute haben wir in Kambodscha für fast 20 Institutionen und rund 100 Teilnehmer E-Learning-Kurse veranstaltet. Außerdem haben wir ein E-Learning-Netzwerk mit fast 200 Mitgliedern etabliert. Darüber werden diese immer auf dem neuesten Wissensstand gehalten und können sich über verschiedene Themen austauschen. Dieses Projekt hat zudem in bedeutendem Ausmaß dazu beigetragen, dass, auf Antrag des Ministeriums für Bildung, politische Rahmenbedingungen für E-Learning in Kambodscha entwickelt wurden, die derzeit konkret ausgearbeitet werden.

Dieses Open Learning Programm ist ein wichtiger Bestandteil von Inwents weltweitem E-Learning Netzwerk in Asien, Afrika, Lateinamerika, zusammen bilden wir die E-Learning-Familie, eine Gemeinschaft für nachhaltiges E-Learning-Wissen und Praxis, die die Vision teilt, diese Art der Weiterbildung in den verschiedenen Ländern weiterzuentwickeln.

Inwents E-Learning-Programm und der GC21 haben eine zentrale Rolle dabei gespielt, um Wissenslücken zu schließen, Wissen über Grenzen hinweg für alle zugänglich zu machen und ihre Partner zu motivieren, ihre eigenen Projekte in ihren Ländern zu organisieren und Netzwerke aus Netzwerken zu bilden.

Ich werde weiterhin die Möglichkeiten, die GC21 bietet, nutzen und diesen Vorteil auch an andere Kambodschaner weitergeben. In der frohen Hoffnung, dass unsere Familie immer größer wird und immer mehr Mitglieder großherzig willkommen heißt.

Über die Autorin

Kong Sidaroth ist eine junge kambodschanische Expertin für Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologie. Im eLDI-Programm von InWEnt erwarb sie eine Zusatzqualifikation für E-Learning-Methoden. Sie gehört zu den Initiatoren des Open Learning Programme, einer Initiative zur Verbreitung von E-Learning-Ressourcen in Kambodscha. Ein australisches Stipendium (Australian Leadership Award) ermöglichte ihr ein Masterstudium für Development Studies, das sie gegenwärtig an der Universität Melbourne absolviert.

Die E-Learning-Familie

Von Juvy Lizette Gervacio

Ich fühlte mich sofort auf dem GC21 zu Hause, als ich 2002 zwei Online-Kurse zum Thema „Führungsqualitäten“ belegte. Es beeindruckte mich, wie sehr diese Plattform in der Lage war, Menschen aus aller Welt zu verbinden und wie gut die Online-Tutoren die Kurse leiteten. Seit dieser Zeit war meine Vorstellung von Capacity Building nicht mehr dieselbe.

In 2004 vertiefte sich mein Verhältnis zum GC21. Ich nahm an einem achtmonatigen kombinierten Kurs zum Thema „E-Learning Development und Implementation“ (eLDI) teil, um zu lernen, wie man mit ICT die Capacity Building-Programme unserer Universität verbessern kann. In diesem Kurs lernte ich Maggy Beukes-Amiss aus Namibia kennen, die später Koordinatorin von NolNet und zudem eine treibende Kraft für unsere globale Zusammenarbeit war.

Für mich war eLDI eine bereichernde Erfahrung, was gemeinschaftliches Lernen angeht, trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede. Wir hatten ein Forum und Chats, auf die man sich freuen konnte. Die Aufgaben waren teilweise sehr respekteinflößend, doch trotzdem gab es einen ständigen Austausch und die Motivation ließ nie nach. GC21 war dabei die gemeinsame Basis für Teilnehmer und Tutoren. Er war ein stiller Zeuge für alle diese Herausforderungen, Enttäuschungen, Ängste, die Aufregung und den Spaß – Gefühle, die wir während dieser acht Monate erlebten.

Das Engagement

Und dann wurde ich gefragt, ob ich ein Teil des Tutoren-Teams für die nächste Gruppe von Teilnehmern werden wollte. Und ich sagte natürlich freudig zu. In dieser Zeit lernte ich Dr. Til Schönherr kennen, der Projektmanager bei InWEnt war. Er ist unser unvergessener Freund, den die gesamte E-Learning-Familie später Tatay Til (Vater Til) nannte, ein philippinischer Kosename.

Meine Co-Tutorin war Ana Láscaris aus Costa Rica, die später als „Dach-Tutor“ für das Latin American Network arbeitete.

Im darauf folgenden Jahr arbeitete ich in einem Tutoren-Team für den ersten „eLDI Africa“-Kurs mit Unami Mpofu aus Südafrika. Es war eine wunderbare Erfahrung mit Fachleuten aus verschiedenen Kontinenten zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Viele der ehemaligen eLDI-Teilnehmer spielten später innerhalb ihrer einschlägigen Netzwerke eine wichtige Rolle: Tsetseg Ulzii-Yadamsuren aus der Mongolei, Carmen Macavei aus Rumänien oder Yulia Stakyan aus Armenien, um nur einige zu nennen.

2007 war ein sehr arbeitsreiches Jahr mit 50 eLDI-Teilnehmern aus Asien und Afrika. Es war ein reger Süd-Süd-Austausch von Erfahrungen, Wissen und Kultur. Während der Online-Chats wurde den Teilnehmern virtuell Kaffee aus Afrika und Tee aus Asien serviert. Dieser Kurs brachte viele gute Tutoren für Asien hervor, darunter Evelyn Laurito, Janaka Jayalath und Dai Remmei.

Erweiterung und Networking

Im Jahr 2008 veranstaltete InWEnt einen Workshop im sächsischen Zschortau, Deutschland. Eine gute Gelegenheit für Mitglieder aller Regionalgruppen, sich zu treffen. Wir erfuhren sehr viel über die Aktivitäten unserer Kollegen von anderen Kontinenten.

Die Afrikaner veranstalteten schon ihre eigenen Kurse namens „eLearning in Practice (eLIP)“, während die lateinamerikanische Gruppe (Educ@l) die Kurse ins Spanische übersetzte.

Unser kleines asiatisches Team wurde gefragt: Was sind Eure Pläne? Wir beschlossen darauf, das Asia eLearning Network (AseLNet) zu gründen und legten fest, was wir darin tun wollten. Am Ende des Workshops überreichte Til Geschenke an alle Netzwerk-Mitglieder. Auf meinem stand die Aufschrift „Mama ist die Beste“.

Später erklärte er mir, dass er sicher war, dass das Netzwerk erfolgreich arbeiten würde, unter der Leitung seiner „Mama“, und damit meinte er mich. Das war wirkliche eine große, aber sehr erfüllende Herausforderung.

Das erste Programm von AseLNet wurde noch im gleichen Jahr in Berlin, während der Online Educa Woche, mit Hilfe von Til ausgelegt. Doch kurz danach erhielten wir die schmerzvolle Nachricht über den Tod von „Tatay“ Til. Sein Erbe wird der gesamten E-Learning-Familie immer im Gedächtnis bleiben. Es gibt keinen besseren Weg, ihn zu ehren, als dass wir das weiterführen, was er begonnen hat.

Seit seiner Gründung hat AseLNet den Capacity Building-Ansatz, den wir von den InWEnt-Programmen übernommen haben, erfolgreich weitergeführt. Wir konnten die Kurse effektiv für unsere asiatischen Zielgruppen gestalten. Innerhalb von zwei Jahren haben wir Teilnehmer aus 20 verschiedenen Ländern weitergebildet, 42 Teilnehmer in eLDI und insgesamt 238 in Trainings-Modulen, um ihre E-Learning-Fähigkeiten zu schulen

Die Module wurden zudem verbessert, indem wir neue Tools einführten, zum Beispiel ein E-Portfolio, das ECBCheck Quality Assurance System, Facebook, Twitter und viele andere. Und es ist uns gelungen, unsere Erfahrung in andere Regionen, wir etwa dem Kaukasus, wo ich Schulungsleiterin war, zu bringen.

Durch GC21 sind wir in der Lage globale Tutoring- und Lerngemeinschaften aufzubauen und zu erhalten und Menschen zu verbinden, nicht nur lokal, sondern auch auf regionaler und internationaler Ebene.

Über die Autorin

Juvy Lizette Gervacio ist Expertin in Public Management. Sie ist Assistenzprofessorin an der philippinischen Universität, Philippines Open University, und Koordinatorin des eLDI / eSkills Programms für Asien, dass mit Hilfe von InWEnt regelmäßig durchgeführt wird. Sie ist auch Präsidentin der ASeLNet (Netzwerk asiatischer E-Learning-Gruppen).

GC21: Wichtiges Werkzeug im Kampf gegen HIV und AIDS

Von Samson MacJessie-Mbewe

Der GC21 ist ein wichtiges Element des Kurses „Teaching and the AIDS Pandemic“, der von der Universität von Western Cape in Südafrika angeboten und von InWEnt gefördert wird. In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen sowohl als Teilnehmer als auch als Tutor schildern und vermitteln, in welcher Weise GC21 für den Online-Kurs verwendet wurde.

Die Schulungsaktivitäten begannen im Jahr 2006 zunächst mit einem einwöchigen Treffen aller Teilnehmer an der Universität von Western Cape. Dort erhielten sie unter anderem eine allgemeine Kurseinführung und wurden mit der Möglichkeit vertraut gemacht, an den Kurs online teilzunehmen. Denn nach diesem Treffen liefen dann sämtliche Kursaktivitäten über sechs Monate lang im Internet weiter.

Die Online-Gestaltung des Kurses wurde perfekt organisiert, was auch die Teilnahme derjenigen, die nur über geringe PC-Kenntnisse verfügen, ermöglichte. Vor allem die Idee, dass es einen Online-Tutor gab, den die Teilnehmenden bei technischen Problemen ansprechen konnten, war hervorragend. Und die Kommunikation zwischen dem Tutor und den Teilnehmern war mehr als beeindruckend.

Vielzahl von Werkzeugen

In diesem Online-Seminar wurden äußerst erfolgreich Wissen, Kompetenzen sowie geeignete Verhaltensweisen gegenüber HIV und AIDS an die Teilnehmer vermittelt. Die Werkzeuge, die auf dem GC21 während des Kurses entwickelt wurden, haben es ermöglicht, sowie Teilnehmer und Experten aktiv in den Lernprozess eingebunden. Eines der benutzen Werkzeuge, zum Beispiel, war das „Journal approach“, bei dem alle Beteiligten ein Online-Tagebuch führen sollten, in dem sie ihre Gedanken festhielten. Es motivierte die Teilnehmer, sich über das Gelernte, ihre eigenen Lehrmethoden und über sich selbst Gedanken zu machen.

Ein weiteres interessantes Kurs-Werkzeug war „Asking the right question“. Es forderte die Teilnehmer auf, Fragen über HIV und AIDS zu stellen, die sich auf Inhalte konzentrierten, die während des Kurses thematisiert wurden. Das half allen Teilnehmern, ernsthaft und kritisch über die Pandemie nachzudenken. Die Fragen der anderen halfen auch den Teilnehmern, weitere erreichbare Kursziele zu definieren. Es war der beste Beweis, dass ein Online-Kurs durchaus interaktiv sein kann.

Alt bekanntes Problem

Allerdings könnte man die Frage stellen: Wo genau lagen die Herausforderungen, an einem solchen Online-Kurs teilzunehmen? Um dies zu beantworten, muss man verstehen, dass sich der Kurs „Teaching and the AIDS Pandemic“ an Lehrerausbilder im Süden Schwarzafrikas richtete, wo das Internet noch nicht weit verbreitet ist. Ein alt bekanntes Problem für die Kursteilnehmer war deshalb der langsame Internetzugang. Dadurch waren die Teilnehmer sowohl nachts als auch am Wochenende online, weil dann das Internet etwas schneller funktioniert.

Die zweite Herausforderung war, dass es in einigen Ländern häufig zu Stromausfällen kommt, die verhinderten, dass die Kursteilnehmer ihre Abgabefristen einhalten konnten. Daher luden sie sich das Kursmaterial herunter und druckten es aus, um auch dann daran zu arbeiten, wenn es keinen Strom gibt oder das Internet zu langsam ist. Wegen solcher Herausforderungen müssen die Gestalter von Online-Kursen flexible Deadlines anbieten, denn sonst werden die Betroffenen für Probleme bestraft, für die sie nicht verantwortlich sind.

Und wer sagt, dass Online-Kurse nicht interaktiv sein können? GC21 hat es beim Kurs „Teaching and the AIDS Pandemic“ geschafft: Die Einbindung der Kursteilnehmer war äußerst aktiv und von einem regem Austausch geprägt. Sie alle konnten ihre Ideen kreativ präsentieren und die geposteten Äußerungen der andren kommentieren. Ein sehr lebendiger Kurs, der sowohl Teilnehmer als auch Experten und Tutoren begeistert und ihre Kritikfähigkeit gefördert hat. Ein erster Schritt, um die eigene Sichtweise auf AIDS und HIV zu verändern.

Genau deswegen ist E-Learning in Afrika möglich und wichtig.

Über den Autor

Dr. Samson MacJessie-Mbewe ist Dozent für Soziologie der Erziehung und Bildungspolitik und – Mitarbeiterführung an der Universität von Malawi, Chancellor College in Zomba. Er ist stellvertretender Dekan der Fakultät für Erziehungswissenschaft, nationaler Koordinator und Initiator der Netzwerke von Lehrerausbildern im AIDS-Bereich (NTERA, Network of Teacher Educators Responding to AIDS), Malawi Ortsverband, und auch Alumnus sowie Experte des Kurses „Lehren und die AIDS-Pandemie“ („Teaching and the AIDS Pandemic“).

Neue Form des Lernens: Training im virtuellen Arbeitsraum

Von Irene Fröhlich

Wir feiern den zehnjährigen Geburtstag des GC21. Es war eine arbeitsintensive Zeit mit vielen interessanten Projekten. In unserer Abteilung “Wirtschaftsförderung und Infrastruktur” haben wir den GC21 bereits im Rahmen vieler Programme genutzt, Programmseiten dafür geschaffen und in unzähligen Arbeitsräumen Nachrichten, Dokumente und Links eingestellt.

Warum dieses große Engagement? Sicher nicht nur wegen der Vorgabe, dass alle International Leadership Training (ILT) Programme in einem GC21-Portal dargestellt werden sollen, samt dazugehörigem Arbeitsraum. Nein, wir waren und sind von den Vorteilen des Global Campus 21 überzeugt.

Vor zehn Jahren wurde es immer selbstverständlicher, Internetmedien sowohl beruflich als auch privat zu nutzen. Auf E-Mails an Bewerber für das ILT-Programm “Training for Regional Investment Promotion” aus dem südostasiatischen Raum erhielten wir meist umgehend Antwort.

Ein Zeichen, dass auch unsere Stipendiaten aus verschiedenen Ländern beruflich immer selbstverständlicher mit dem Medium Internet arbeiteten. Einige Teilnehmer aus privaten Unternehmen waren uns hier sogar klar voraus, wie wir später erkannten. Es waren insgesamt ideale Voraussetzungen, um das virtuelle Arbeiten für unsere Programmarbeit zu nutzen.

Dieses war insbesondere im Bereich Wirtschaftsförderung von Interesse. Denn Investitions- und Exportförderung ohne Internet funktioniert längst nicht mehr, auch nicht in Ländern Afrikas. Schon vor zehn Jahren wurde Onlineerfahrung für den beruflichen Erfolg ebenso wichtig wie gute Englischkenntnisse. Eine Erkenntnis, die für unsere heutigen Stipendiaten ganz selbstverständlich ist.

Während die Teilnehmer früher noch in die Nutzung eines Arbeitsraums eingewiesen werden mussten, ist das nun nicht mehr nötig: Ein Drittel unserer EPA-Karibikprogramm-Teilnehmer, die zu einer Trainingssequenz zur Exportförderung zugelassen wurden, sind heute innerhalb einer Stunde im GC21-Arbeitsraum und erkunden dessen Möglichkeiten.

Neue Denkanstöße

Was macht den GC21 so attraktiv? Dafür gibt es viele Gründe. Teilnehmer, etwa aus dem ILT „Sustainable Management“, erhalten schon vor dem Start eines Workshops die Inhalte der Fortbildung und dazugehörige Links sowie ein passendes E-Learning Programm. Durch diese für alle zugänglichen Vorabinformationen sind alle Beteiligten schon zu Beginn der Veranstaltung auf dem gleichen Wissensstand.

Während der Fortbildung stellen sie dann schriftliche Aufgaben in den Arbeitsraum ein, die die Fachpartner mit Empfehlungen, Ergänzungen oder Korrekturen versehen. Auch Praktikumsberichte und Transferprojekte können dort für alle zugänglich gemacht werden und liefern so anderen Gruppenmitgliedern neue Denkanstöße. Die Fachpartner hinterlegen zudem Unterrichts- und Hintergrundpapiere, Präsentationen und Links in den Arbeitsraum. Währen der Praktikumsphase treffen sich alle Beteiligten zwei Wochen lang, jeweils am Ende eines Arbeitstages, im Chat.

Die Vorteile sind offensichtlich. Jeder ist immer zur gleichen Zeit in gleichem Maße informiert, die ständigen Sammelemails gehören damit der Vergangenheit an. Die klar gegliederte Struktur eines Arbeitsraums gibt jederzeit eine einfache Übersicht und spart Zeit.

Schließlich möchte ich noch betonen, wie wichtig für uns die Umstellung der Portalseiten auf das neue FLEX-Format war. Denn die kontinuierliche Pflege der Inhalte ist jetzt sehr viel leichter möglich. Schickt uns die Kollegin aus dem Regionalbüro in Pretoria zum Beispiel neue Daten für die nächsten Workshops des CHANCE-Programms, öffnet man als Tutor ein bestimmtes Fenster und gibt die Inhalte wie in ein Worddokument ein. Und schon erscheinen sie auf der entsprechenden Internetseite.

Weiter so, Global Campus 21, und alles Gute zum Geburtstag!

Über die Autorin

Irene Fröhlich ist langjährige Sachbearbeiterin von Inwent in Programmen der Wirtschaftsförderung und Infrastruktur und eine unserer GC21-Aktivistinnen.

Im Rahmen des Programms “Trip Asia” begann sie schon im Jahr 2001 mit der systematischen Nutzung des Global Campus 21 für die Programmunterstützung und gab damit ein Beispiel für die Praxis innerhalb ihrer Abteilung und darüber hinaus.

Erfolgreiche Managerfortbildung über Global Campus 21

Von Isolde Heinz

Da ich schon sehr lange bei Inwent und seiner Vorgängerorganisation, der Carl Duisberg Gesellschaft, arbeite, konnte ich die Entwicklungen des GC21 von Anfang an verfolgen.

Zu Beginn habe ich das Instrument eher kritisch unter die Lupe genommen. Ich wollte herausfinden, ob es sich für das Managerfortbildungsprogramm eignet, das die Inwent-Abteilung „Neue Unabhängige Staaten“ mit Russland und der Ukraine durchführte. Wir befragten daher unsere Programmteilnehmer, in welchem Umfang sie Zugang zum Internet hatten und wie intensiv sie es nutzten.

Das erste Ergebnis war ernüchternd: Gerade einmal 15 Prozent unserer Teilnehmer nutzten das Internet regelmäßig. Damit war der GC21 für uns zu dieser Zeit kein geeignetes Instrument und wir haben den Einsatz zunächst zurückgestellt.

Neue Herausforderung

Doch Osteuropa entwickelte sich in rasantem Tempo, besonders im IT-Bereich. Die Frage nach der Einbeziehung des GC21 in unsere Programmarbeit stellte sich daher bald neu. Im Jahr 2004 entwickelten wir ein Konzept, wie wir den GC21 in unsere Programmarbeit integrieren und welche Angebote wir unseren Programmteilnehmern machen können. Im Oktober 2004 gingen wir online.

Schon bald standen wir vor einer neuen Herausforderung: Es zeigte sich, dass wir nur wenige Teilnehmer erreichten, da es sprachliche Barrieren gab. Denn am Managerfortbildungsprogramm nehmen Führungskräfte mit deutschen oder englischen Sprachkenntnissen teil, zum Teil absolvieren einige von ihnen ihre Fortbildung in Russisch oder mit Dolmetscher. Wir hatten daher keine einheitliche Portalsprache und viele Teilnehmer hatten Schwierigkeiten, sich zu orientieren. Also ließen wir die gesamte Portalstruktur ins Russische übersetzen.

Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass sich unser Portal in den vergangenen sechs Jahren zum größten Programmportal auf dem GC21 entwickelt hat. Alleine in 2009 hatten wir rund 170.000 Zugriffe auf die öffentliche und 340.000 Zugriffe auf die geschlossene Seite, auf der sich nur registrierte Teilnehmer bewegen. Insgesamt sind rund 4.500 Teilnehmer des Managerfortbildungsprogramms registriert. Das Portal besteht aus dutzenden öffentlichen Räumen, auf die auch nicht registrierte User zugreifen können, und 182 geschlossenen Gruppenarbeiträumen.

Virtuelle Vernetzung

Der GC21 begleitet uns über den kompletten Programmverlauf hinweg. Unsere Teilnehmer werden vor Fortbildungsbeginn auf dem GC21 registriert, erhalten so frühzeitig Informationen zum Programm und tauschen sich in Foren oder Chats aus. Während der Fortbildung in Deutschland finden sie in ihren Gruppenräumen umfangreiche Informationen zu den Inhalten, Seminarmaterial und viele Hinweise zur Freizeitgestaltung. Nach dem Programm halten die Teilnehmer über den GC21 untereinander Kontakt, bis zur Vorbereitung der Follow up-Seminare. In einigen Ländern wird das Portal auch für die Alumniarbeit genutzt.

Wir haben mittlerweile Führungskräfte aus 14 Ländern, die über die GC21-Plattform im Rahmen des Managerprogramms untereinander vernetzt sind. Über einen so genannten Marktplatz können sie Produkte oder Dienstleistungen anbieten oder suchen sowie Stellenanzeigen und Bewerbungen einstellen. Wir wiederum stellen zahlreiche Downloads zur Verfügung, um ehemaligen Teilnehmern auch nach der Fortbildung noch fachlichen Input zu geben und sie an uns zu binden.

Unsere neueste Errungenschaft ist eine virtuelle Kooperationsbörse auf dem GC21, die Kontakte zwischen deutschen Unternehmen und unseren Teilnehmern herstellt. Hierin und in der virtuellen Vernetzung der Manager über alle Ländergrenzen hinweg, liegt sicherlich das größte Potential des Global Campus in der Zukunft. Dass dies auch einen qualitativen Sprung für die Programmarbeit bedeutet, davon sind wir überzeugt.

Wir arbeiten daher ständig an der Weiterentwicklung des GC21, denn nur durch Innovationen bleibt dieses Instrument auf Dauer attraktiv. Für unsere Arbeit ist der Global Campus nicht mehr wegzudenken.

Über die Autorin

Isolde Heinz ist Inwent-Projektleiterin der Abteilung „Neue Unabhängige Staaten“. Sie arbeitet dort seit vielen Jahren im Managerfortbildungsprogramm und ist unter anderem für die Ukraine zuständig. Zudem hat sie über viele Jahre die Integration des GC21 in die Programmarbeit der Abteilung koordiniert. Derzeit leitet sie das Inwent-Programmbüro in Moskau.

Wie wir E-Learning lernten

Von Karin Pries

Die Entwicklung von E-Learning-Anwendungen auf dem Global Campus 21 (GC21), die vor zehn Jahren begann, war keine Einzelleistung, sondern das Ergebnis eines gemeinsamen Lernprozesses verschiedener Experten und aktiver Mitarbeit der InWEnt-Mitarbeiterinnen.

Die ersten „Erfolgsschlager“ waren nicht komplette E-Learning-Kurse, sondern sogenannte „Shared workspaces“. Ergänzend zu den Präsenztrainings boten diese virtuellen Arbeitsräume Fachinhalte und Programminformationen. Teilnehmende konnten sich darin viel intensiver miteinander austauschen und arbeiten. Dieses Sandwich-Prinzip bewährte sich: Onlinephasen auf dem GC21 wurden dem Präsenztraining vor- und nachgeschaltet.

2002 lud mich die Abteilung „Gesundheit“ der Deutschen Stiftung für internationale Entwick-lung (DSE) erstmals ein, die Entwicklung eines E-Learning-Kurses zum Thema „HIV und AIDS“ zu beraten. Als Pädagogin brachte ich didaktisch-methodische Kenntnisse aus der Curriculum-Entwicklung, Erfahrungen aus Präsenzlernen und mit diversen E-Learning-Szenarien ein. Zudem beherrschte ich die Handhabung der Lernplattform und konnte die Programmierung und den technischen Support der Teilnehmer übernehmen.

Interaktives Lernen und Erfahrungsaustausch

Das Thema HIV und AIDS fand in der Ärzteausbildung in den 1990ern wenig Beachtung. Daher entwickelte die DSE für Mediziner aus Afrika und Asien Trainingsmaßnahmen mit Blended-Learning-Ansatz: Die Teilnehmer trafen sich am Kursende für eine Woche, um Pro-jekte im Kampf gegen die Pandemie zu entwickeln. Dafür erlangten sie während der Online-phasen das nötige Wissen und sollten weiterhin über den GC21 miteinander in Kontakt blei-ben.

Wir nahmen die Teilnehmer mit ihrem Interesse am Thema und ihren Berufserfahrungen ernst. Die Onlinephasen sollten daher nicht nur individuellen Wissenserwerb, sondern auch interaktives Lernen ermöglichen, ergänzt durch den Erfahrungsaustausch untereinander und mit Fachexperten. Die gemeinsame konzeptionelle Arbeit zwischen Fachexperte, E-Learningexperte und InWEnt-Mitarbeiterinnen ergab: Die Lernmaterialien sollten praxisrelevant sein und zum Lernen anregten, statt nur Informationen bereit zu stellen. Zudem mussten wir beachten, dass die Teilnehmer oft unerfahren im Umgang mit IT waren und nicht alle den gleichen Internetzugang hatten.

Das Resultat: ein modularer, damals noch nicht SCORM-konformer, Kursaufbau mit online basierter Einführungsphase und einer Präsenzphase am Ende. Den Praxisbezug erreichten wir mit fiktiven Fallbeispielen und indem sich die Teilnehmer auf eigene Projekte in ihrer Be-rufspraxis konzentrierten.

Interaktive Aufgaben, Gruppenarbeit und regelmäßiger Austausch in Diskussionsforen und per Chat ergänzten das Angebot. Teilnehmer, die Schwierigkeiten mit der Internetverbindung hatten, konnten ihre Beiträge an den Tutor mailen, was aber nur wenige nutzten.

Neue Kategorie von Blended-Learning-Kursen

Wichtig für gemeinsames Lernen und dessen Weiterentwicklung war ein systematisches Monitoring während der Kurse, das alle Teilnehmer und Teammitglieder mit einbezog. Auch die Kursevaluierung war essentiell und wird von uns seither ernsthaft betrieben. Nur so sind Inhalte immer auf dem neuesten Stand, werden Anregungen von Teilnehmern aufgenommen und die Kurse stetig optimiert.

Nach dem ersten erfolgreichen Kurs zum Thema HIV und AIDS folgten weitere für andere Zielgruppen, etwa für Lehrerfortbilder aus dem südlichen Afrika. Den Kurs durfte ich ebenfalls entwickeln. Damit startete eine neue Kategorie von Blended-Learning-Kursen, die mich in den vergangenen Jahren sehr beschäftigten. Die Universitäten südlicher Länder sind an der Entwicklung der zehn bis zwölfmonatigen Kurse gleichberechtigt beteiligt, was die institu-tionellen E-Learning-Kapazitäten in den Hochschulen stärkt. Davon profitieren die Teilnehmer.

Über die Autorin

Dr. Karin Pries ist mit ihrer Firma INCCAS eine langjährige Partnerin von Inwent bei der Entwicklung von Anwendungen des Global Campus 21. Sie war als Beraterin schon bei der Konzeption der Plattform dabei und entwickelte mit ihrem Team zahlreiche Online- und Blended-Learning-Kurse, die weltweit populär geworden sind. Sie ist unsere Trainerin für die Grundlagen der E-Didaktik und Betreuerin des User Support Centers.

Aufbruch in ein neues Lernzeitalter: Die Gründung des GC21

Von Gerd Hönscheid-Gross und Renate Mengler

Eigentlich begann alles 1992 in Rio de Janeiro mit der Weltkonferenz über Umwelt und Entwicklung. Dort wurde die Agenda 21 verabschiedet, ein Aktionsprogramm für nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Es behandelte fast alle entwicklungsrelevanten Aspekte, von Armutsbekämpfung, Klima- und Artenschutz, Geschlechtergleichheit bis zur Partizipation gesellschaftlicher Gruppen am politischen Prozess.

Die Agenda 21 dynamisierte die internationale Zusammenarbeit, die Entwicklung des World Wide Web unterstützte diese Aufbruchsstimmung. Neue Technologien ebneten den Weg für eine einfachere Kommunikation und Kooperation.

In Deutschland hatten sich zwei Institutionen staatlicher Entwicklungszusammenarbeit, die Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG) und die Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) darauf spezialisiert, die nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 21 zu fördern: durch Weiterbildungsangebote und Dialogveranstaltungen.

CDG und DSE blickten schon damals auf viele Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit als Bildungsinstitutionen mit Lernenden aus aller Welt zurück. Der Nachkontakt mit den Lernenden war ein wichtiges Instrument. Wir nutzten dazu die Briefpost, eigene Zeitschriften und Nachkontaktworkshops. Hinzu kam die Unterstützung von Alumni-Vereinigungen, die eigene Veranstaltungen organisierten. Lebenslanges Lernen war da schon ein Thema.

Weitblick und Phantasie

Ende der 90er Jahre entstanden die ersten technischen Lösungen für E-Learning, Online-Kooperation und E-Business. Doch die Möglichkeiten ihrer Nutzung waren global extrem ungleich verteilt. Es brauchte noch Weitblick und Phantasie, um das Potential der neuen Technologien für unsere Arbeit zu erkennen.

Am 3. August 1999 gab die CDG-Geschäftsführung in Köln grünes Licht für das Projekt „Global Forum“, unsere „WWW-Werkstatt“, die wir zusammen mit Internet-Pionieren der DSE eifrig vorantrieben. Gemeinsam definierten wir die Anforderungen und wählten die einzusetzende Software aus. Ein zugkräftiger Name für die Plattform wurde gesucht und schließlich gefunden: “GLOBAL CAMPUS 21″, anknüpfend auf die Agenda 21 der Rio-Weltkonferenz.

Parallel dazu begann die Entwicklung der ersten E-Learning Kurse. Diese basierten auf Lernmaterialien bewährter und häufig nachgefragter Seminare. Unsere ersten Kursthemen waren „Veränderungsmanagement“, „Wissensmanagement“ und „Umweltmanagement“ – Themen, die auch heute noch mit weiterentwickeltem Inhalt zu unserem Kursportfolio gehören.

Erfolg auf der EXPO

Dann kam die Weltausstellung „EXPO 2000“ in Hannover. Die deutschen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und ihre Partner waren mit einem eigenen Pavillon, dem Global House, vertreten. Ein idealer Ort für die offizielle Eröffnung des Global Campus 21. Das Launching im September 2000 war ein großer Erfolg. Zu den allersten Promotoren des GC21 gehörte eine Gruppe von Messemanagern der EXPO, die aus allen Regionen der Erde kamen.

 

Bis Ende des Jahres 2000 waren schon 600 Nutzer registriert, die in 30 virtuellen Arbeitsräumen miteinander kommunizierten. Sieben Onlinekurse waren fertig gestellt. Der GC21 war bereits in drei Sprachen (Deutsch, Englisch und Spanisch) benutzbar. Die Umstellung der Alumni-Zusammenarbeit auf Online-Kommunikation konnte beginnen. Das Jahr 2001 markiert den Beginn der systematische Nutzung des GC21 in den Programmen von CDG und DSE. Das E-Learning-Center als Service- und Beratungseinheit wurde gegründet.

Ende 2003, als die Weltkonferenz zur Informationsgesellschaft in Genf den Aktionsplan für die Überwindung der “digitalen Kluft” ausrief und dabei besonders auf das Potenzial neuer Wissens- und Bildungstechnologien verwies, konnten wir vom GC21-Team schon auf drei Jahre praktischer Arbeit im Sinne dieses Ziels zurückblicken.

Über die Autoren

Gerd Hönscheid-Gross war bei der Carl Duisberg Gesellschaft federführender Projektleiter für die Schaffung des GC21. Renate Mengler war Mitglied des Projektteams. Beide haben bis heute die Nutzung des GC21 vorangetrieben. Heute ist Gerd Hönscheid-Gross verantwortlich für das “Alumni Portal Deutschland” und Renate Mengler für die Entwicklung des Trainingsformats “International Leadership Training”.