Verlieren Sie nicht den Boden unter Ihren Füßen!

- Wie man den Wert unseres Bodens bestimmt -

Was ist Bodendegradation?

Mit Bodendegradation oder auch Bodenzerstörung ist die Verschlechterung oder der Verlust der biologischen oder wirtschaftlichen Produktivität gemeint. Bodendegradation ist ein ernstzunehmendes weltweites Anliegen, insbesondere da fruchtbarer Boden praktisch eine nicht-erneuerbare Ressource ist. Die Erzeugung von ca. 10 Zentimetern oberer Bodenschicht benötigt in etwa 2000 Jahre. Darüber hinaus können die weltweiten Anbauflächen – außer in wenigen begrenzten Bereichen – nicht mehr erweitert werden. Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass die Produktivität der weltweiten Anbauflächen in den Jahren 1981-2003 durch Bodendegradation um ca. 25% reduziert wurde. Und das, obwohl die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse bis 2030 erhöht werden muss, um den Nahrungsmittelbedarf der wachsenden Weltbevölkerung zu decken.

Was sind die Ursachen von Bodendegradation?

Bodendegradation ist vor allem das Ergebnis von landwirtschaftlicher Misswirtschaft, Hungersnöten durch Dürre und Fehleinschätzungen durch die Wahrnehmung, dass reichlich Nahrung produziert wird, relativ günstige subventionierte Lebensmitteln, niedrige Flächenpreisen und reichliche Energie- und Wasserressourcen. Bodendegradation wird hervorgerufen durch die Abholzung von Wäldern, Überweidung, den Anbau von Monokulturen, die Versalzung von Böden, den übermäßigen Gebrauch von Dünger und Chemikalien oder Landwirtschaft an Hängen, die zu Bodenerosion führt.

Welche Auswirkungen hat das für uns?

Die negativen Folgen der Bodendegradation betreffen uns alle, ob direkt oder indirekt: Nahrungsmittelunsicherheit, reduzierte Verfügbarkeit von sauberem Wasser, erhöhte Anfälligkeit für den Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und vieles mehr. Es wird geschätzt, dass bereits etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit durch geringere Einkommen oder verminderte Lebensmittelsicherheit direkt betroffen sind. Das betrifft vor allem die arme Landbevölkerung.

Auf globaler Ebene sind weltweit bereits 10 bis 20% der Trockengebiete und 24% des nutzbaren Bodens betroffen. Das ist zweimal so viel wie die Fläche von Russland. Die jährlichen ökonomischen Verluste durch Abholzung und Bodendegradation werden für 2008 auf 1,5-3,4 Billionen Euro geschätzt. Das entspricht 3,3% – 7,5% des globalen BIP von 2008.

Was können wir tun?

Die gute Nachricht ist, dass es eindeutige wirtschaftliche und ökologische Maßnahmen gibt, die Bodendegradation verhindern und/oder rückgängig machen können. Ökologische Maßnahmen könnten Wiederaufforstung und die Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken sein. Ökonomische Instrumente beinhalten Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen, Subventionen, Steuern, freiwillige Zahlungen zum Schutz der Umwelt und den Zugang zu Mikrofinanzierungen. Allein schon die Umsetzung von nachhaltigem landwirtschaftlichen Management könnte den Ernteertrag jährlich um bis zu 2,3 Milliarden Tonnen erhöhen.

Warum müssen wir den Wert des Bodens bestimmen?

Der wirtschaftliche Wert von Boden wird chronisch unterschätzt und wird für gewöhnlich allein durch den unmittelbaren Marktwert der land- oder forstwirtschaftlichen Produkte bestimmt. Langfristig gesehen sind die Kosten für Maßnahmen zur Prävention oder Umkehr von Bodendegradation in der Regel geringer als der Nutzen, den man aus Umsetzung einer nachhaltigen Landbewirtschaftung und einer Investition in dieselbe ziehen kann. Aber auch wenn die wissenschaftliche Begründung für nachhaltige Landbewirtschaftung inzwischen gut etabliert ist, gibt es einen spürbaren Mangel in der Umsetzung solcher Praktiken.

Die Erleichterung von Änderungen benötigt Anpassungen der rechtlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge. Trotz der negativen Folgen von Bodendegradation berücksichtigen Entscheidungsträger diese Auswirkungen bisher nicht. Aus diesem Grund besteht ein Bedarf an präzisen Daten, um Fragen zu sozialen und wirtschaftlichen Kosten von Bodendegradation sowie zum Nutzen von Investitionen in landgestützte Produktivität beantworten zu können.

Was ist die ELD-Initiative?

Die ELD-Initiative ist eine Plattform für Interessensvertreter aus der Privatwirtschaft, Wissenschaft und Politik. Sie wurde im Dezember 2010 gegründet und ihre aktuellen politischen Partner sind das BMZ, die Europäische Kommission, die UNCCD und der Korea Forest Service; wissenschaftliche Partner sind das International Food Policy Research Institute, das Stockholm Environment Institute, The Global Mechanism, die United Nations University UNU-INWEH und das Zentrum für Entwicklungsforschung.

Das Ziel der ELD-Initiative ist es, eine sowohl lokal als auch global anwendbare Methodik für die gesamtwirtschaftliche Bewertung zur Verfügung zu stellen. Anhand dieses Ansatz wird ökonomisches, soziales und ökologisches Wissen in aktuelle Informationen und Instrumente umgesetzt, die eine verbesserte Richtliniengestaltung und landwirtschaftliche Praxis unterstützen und von politischen Entscheidungsträgern, wissenschaftliche Gemeinschaften, lokale Verwaltungen und Praktizierende und dem privaten Sektor genutzt werden können. So sollen fundierte Entscheidungen zur Stärkung der nachhaltigen ländlichen Entwicklung und zur Sicherung der weltweiten Nahrungssicherheit ermöglicht werden.

Die ELD-Initiative wird auch Aktivitäten zum Ausbau von Kapazitäten in ihre Projekte integrieren. Dadurch soll sichergestellt werden, dass qualifiziertes Personal zur Verfügung steht und in den betroffenen Ländern vertreten ist. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist die Umsetzung des ELD-MOOC.